Momlife

Es ist einer dieser Momente, in denen man plötzlich erkennt, dass man nicht mehr so ist, wie der Rest des Freundeskreises, in denen man feststellt – so surreal es einem noch vor ein paar Jahren erschien – dass man nun zur Generation Eltern gehört, dass man eine Mama ist und ein anderes Leben führt, wie jene um einen herum. Momlife. Eine ganz eigene Welt, eine Welt für sich, in die man erst voll und ganz Einblick erhält, wenn man aktives Mitglied wird. Es ist ein anderes Leben. Anders im Vergleich zu einem Leben jener ohne Kind. Vielfältiger. Anstrengender. Lebenswerter.

10Ich ging von Anfang an – meines Erachtens – recht realistisch an die Sache Kind und Elternsein ran. Abende mit Freunden würden zur Seltenheit werden. Ausgehen wann immer man möchte ebenso. Zeit, generell, und erst recht zu zweit – außer man versteht unter zu zweit allein mit dem Kind -, Mangelware. Dafür erhält man im Tausch das Schönste der Welt. Man darf einen Menschen – sein eigenes Kind  – ab der ersten Minute in seinem Leben begleiten und wird jeden Tag mit schönen Momenten bereichert.

9Ich möchte daher gar nicht ausschweifend berichten, wie und in welchen Punkten sich mein Leben verändert hat, ob ich es positiv oder negativ finde, was ich gerne ändern möchte oder auch nicht, ob ich mich  in die Zeit vor dem Kind zurückwünsche oder nicht… Denn es erwischt einen trotzdem eiskalt. In jeder Hinsicht. Positiv und Negativ. Es ist etwas nie zuvor dagewesenes, eine völlig neue Lebenserfahrung, die man zuvor nicht studieren kann und für die keine noch so hilfreichen Tipps wirklich nützlich sind.
Es ist eine Welt von philosophischen Gesprächen über schlaflose Nächte, Phasen und Sprünge, Babybrei und darauffolgende Exkremente, Zahnschmerzen, Bauchschmerzen… Man sagt sich vorher „ich werde nie über Babykacke reden“ und erwischt sich dann nur Monate später bei einem ausschweifenden Vortrag über Konsistenz und Farbe selbiger. Themen wie aktuelle politische Geschehnisse, Kino oder Literatur werden über Nacht ausgetauscht gegen diese, für Außenstehende absurde Themen und entwickeln sich zu einem Dreh- und Angelpunkt des Lebens als Mutter.

15Die Gedanken drehen sich stets darum, ob es dem Kind gut geht. Ob man an alles gedacht hat. Ob man alles richtig macht. Es gibt eben kein Leben mehr ohne Kind. Selbst in den seltenen Momenten, in denen man Ausgang hat, ist man gedanklich doch unentwegt mit der Frage beschäftigt, was wohl das Kind gerade macht, wie es ihm geht und ob es einen schmerzlich vermisst. Und so wird ein Nachmittag mit dem Kater schnell mal zu einer Aufzählung und Aneinanderreihung von den schönsten und lustigsten Momenten mit dem Kätzchen. Mit Anekdoten zu ihren neuesten Errungenschaften und Schwelgen in Erinnerungen an die Zeiten als sie noch „so klein“ war. Ein Kind ist nicht mehr weg zu denken und begleitet einen immer. Und so erwische ich mich quasi fast täglich, wie ich zur Krippe hetze, obwohl ich noch gut 25 Minuten vor Ende dort ankomme, nur um das Kätzchen endlich wieder in die Arme schließen zu können und zu erfahren, was sie an ihrem „Arbeitstag“ so erlebt hat.

14Und dann sind da auch diese Momente von schlaflosen Nächten – natürlich wegen Zähnen, Krankheit oder Alpträumen -, wenn  man sich am Rande des Nervenzusammenbruchs, ob aus Schlafmangel oder Verzweiflung, befindet und sich fragt, ob dieser Moment je enden wird und ob es eine Lösung für das Problem gibt, ehe man am nächsten Morgen wieder mit einem strahlenden Lächeln begrüßt wird und die schlechten Zeiten wie weggeblasen sind.
Und dann ist es schön, Freunde um sich zu wissen, die einem durch diese Zeiten helfen. Die einem den Rücken stärken und Gleiches durchleben. Die wissen, wie man sich in diesen Momenten fühlt und was getan werden muss. Die einen wissen lassen, dass man nicht alleine ist mit seinen schwindenden Nerven. Andere Mitglieder aus dem Momlife-Club sind ein unabdingbares Gut, um auch aus diesen Zeiten das Beste herauszufiltern und in der gegenseitigen Unterstützung Halt zu finden.

13Und doch ist es vor allem eine Welt voller Glück. Voller schöner Momente und Erlebnisse. Voller neuer Erfahrungen und Erkenntnissen, dass man selbst viel stärker ist, als man es je gedacht hätte. Man wächst über sich hinaus. Und das alles „nur“ wegen eines kleinen Menschen, für den man sein Ein und Alles ist.
So habe ich einmal gehört, Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie interessiert nicht, was gestern war und auch nicht, was morgen sein wird. Ihnen kommt es auf den aktuellen Moment an, natürlich schöne und schlechte Momente. Doch die guten Zeiten sind für sie immer präsent und greifbar nah. Das erste Greifen, die erste Drehung und das erste Krabbeln, der erste Schritt und das erste Wort. So viele einmalige Erlebnisse, die immer in Erinnerung bleiben und die schlechten Zeiten – zum Glück – verdrängen und verblassen lassen. Den Fokus auf das Wesentliche ausgerichtet.

12Und genau davon sollten wir uns hier und da eine Scheibe abschneiden. Mit dem Wissen, dass die schlechten Momente nur von kurzer Dauer sind und die schönen Momente eine viel größere Tragweite und Präsenz haben, können wir diese intensiver genießen und würdigen, unseren Alltag ein Stück weit positiver erleben. Denn es sind doch genau diese – unvergesslichen – Momente im Leben, die es lebenswert und erlebenswert machen, die diese ganz eigene Welt  – momlife – so einzigartig machen.

Der Plot von Andrea aka liebedinge hat auf dem schönen Ringel-Jersey von Lebenskleidung seinen Platz gefunden und ich habe mich wieder für ein Longsleeve Venedig von Hummelhonig entschieden, da es der perfekte Schnitt in meiner Capsule Wardrobe ist. Schlicht, gut zu kombinieren und sehr bequem. Das gehört auf jeden Fall in meinen Kleiderschrank.

Eure Katze

Stoff: Bio Stretch-Jersey schwarz gestreift von Lebenskleidung
Schnitt: Venedig von Hummelhonig
Plott: momlife von liebedinge

@ AfterWorkSewing, MeMadeMittwoch, Ich näh Bio, bio: stoff

26 Kommentare zu „Momlife

  1. Hi Stephie, das ist ein tolles Shirt! Schlicht und durch den Plot doch besonders. Ist das Kupfer-Folie und wie macht man das überhaupt? Ok die Frage führt jetzt wahrscheinlich zu weit…
    Auf jeden Fall ein tolles Stück,
    Amely

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    1. Lieben Dank dir! Ja, es ist Kupfer-Flexfolie und ich habe endlich meinen Silhouette Portrait eingeweiht, der seit August bei mir steht 😅 Tolle Sache, aber nicht ganz günstig, wie ich finde.
      Liebe Grüße

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  2. Liebe stephie,
    Das ist eine sehr schöne Liebeserklärung an deinen Sonnenschein und außerdem ein sehr schönes Statement – Shirt! Genieß die Zeit mit deinem Kätzchen :-*

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  3. Hallo Stephie, was für ein schönes Shirt – es steht Dir ausgezeichnet! Den Schnitt kannte ich noch gar nicht, werde ich mir merken. Und danke auf für Deine wunderbaren Zeilen, die mir, gerade heute morgen, aus der Seele sprechen. Liebste Grüße, Karin

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  4. Liebe Stephie ,
    ich hatte viel Spaß daran, Deinen Post zu lesen. Das „Mom-life“ lebe ich seit fast 28 Jahren und bis heute frage ich mich, wenn ich mein Kind gerade nicht sehe, ob alles in Ordnung ist und ob es ihr gut geht .Du siehst also, bestimmte Dinge bleiben „für immer“ . Ich glaube , das geht ganz vielen Eltern so .
    Dein Shirt ist ganz toll geworden , ich mag den Stoff und auch den Schnitt .(Muss mir den Schnitt gleich mal als Lesezeichen ablegen .) Den Schriftzug finde ich sehr witzig .
    Ganz herzliche Grüße, Katrin

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  5. Danke für deine Worte. Sie haben mich wieder an das Wesentliche erinnert. Als ich anfing zu lesen dachte ich mir – Boah ey, mein Momlife kann mir gerade gestohlen bleiben… Die Jungs treiben mich aktuell in den Wahnsinn. Ein Hoch auf die Totz- äh Autonomiephase… Aber genau das ist es doch- es stört mich jetzt, also tue ich es auch jetzt kund. Und wenn die Situation rum ist, dann ist es auch (fast immer) vergeben und vergessen. Davon können wir uns eine dicke Scheibe von abschneiden (allerdings vielleicht nicht ganz so lautstark und ohne treten, beißen, kratzen… 😉 Und so anstrengend und nervenaufreibend es gestern Abend und heute früh auch war, weiß ich, dass ich heute nachmittag, wenn ich die Jungs abhole, alles vergessen ist und wir wieder viel Spaß miteinander haben werden…
    Eigentlich mag ich Plotts nicht wirklich auf Shirts (also auf meinen), aber vielleicht bräuchte ich so einen Spruch doch -quasi als Erinnerung…
    So in Kupfer gefällt es mir auf dem Ringelshirt bei dir auf jeden Fall gut. Und Ringel kann man doch nie genug haben, oder 😉
    Liebe Grüße Miriam

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    1. Liebe Miriam, schön, dass dir meine Zeilen gefallen ❤ Und es tut gut zu hören, dass auch andere die gleichen Erfahrungen machen und wir uns doch alle auf die schönen Zeiten mit den Kindern konzentrieren!
      Ringel gehen immer und ich habe eindeutig zu wenig davon im Kleiderschrank 😉

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  6. Ich lese Deine schönen Blogbeiträge immer besonders gerne.
    Wieder einmal so toll geschrieben.
    Momlife…und obwohl meine älteste Tochter nun schon fast 33 Jahre ist, finde ich mich in vielem wieder.
    Dein Shirt finde ich total schön. Wäre auch genau meins.
    Flexfolie in Kupfer habe ich auch noch zu liegen. Sieht richtig klasse aus auf Deinem Streifenshirt.
    Ich fahre heute zu Lebenskleidung und werde mal nach dem schönen Jersey Ausschau halten 🙂
    Ganz liebe Grüße Katrin

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    1. Ach Katrin und ich freue mich immer so über deine Kommentare ❤
      Schön, dass dir mein Post und Shirt gefallen und ich bin ja sowas von neidisch auf dich, dass du so nah an den guten Stoffquellen sitzt 😉 Bei meinem Berlin-Besuch war ich schon kurz verzückt nicht mehr in den Flieger zurück zu steigen 😀

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  7. Wirklich schön geschrieben! Und ja, mir tut es auch immer wieder gut, es bei anderen zu lesen! Es ist auch für uns Frauen eine so wertvolle Erfahrung und Phase im Leben! Ein Hoch aufs Mamasein! Und danke dir fürs verlinken!
    Drück dich virtuell!
    Andrea

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  8. Oh, zu früh abgesendet. Ich wollte schreiben: Hach, so ein schöner Text! Auch ich lese deine Einträge immer richtig gerne und finde mich in so vielen Punkten wieder. Und das tut irgendwie gut!
    Viele Grüße
    Kathrin

    P.S: Ich habe dich für den Liebster Award nominiert, vielleicht hast du ja Lust, die Fragen zu beantworten:)

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    1. Liebe Kathrin, vielen Dank dir! Ja es tut sehr gut, zu hören, dass es anderen auch so geht und man sich wieder findet, schön, dass dir meine Beiträge regelmäßig gefallen 😊
      Ich danke dir! Auch Christina aka chribi.com hat mich schon vor Wochen nominiert und ich bin noch nicht dazu gekommen, ihre Fragen zu beantworten etc. Ich sehe schon, der Druck wächst, ich halte mich ran, Mädels 😉😘

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  9. So isses, das Momlife. Du hast es ganz toll auf den Punkt gebracht in diesem Post.
    Dein Shirt finde ich aber auch ziemlich auf den Punkt gebracht. Will sagen, es gefällt mir wahnsinnig gut. Ich brauche auch dringend mehr Basicteile im Schrank und Streifen gehören da ja definitiv dazu. Der Plot ist richtig klasse, den brauche ich auch.
    Liebe Grüße,
    Catharina

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    1. Lieben Dank dir, Catharina! Streifen gehen einfach immer und der Plott würde dir sicher auch gut stehen, du kannst in Sachen Momlife sicher noch ein ausführlicheres Lied singen wie ich 😉
      Liebe Grüße<3

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  10. Ach, das hast Du so schön beschrieben. Denn, bei mir ist das alles schon Jahrzehnte her, jetzt sind es die Enkelkinder, die mein Leben bereichern. Aber ich erinnerte mich während des Lesens ganz spontan an eine Situation:“ Ich war Segeln, endlich einmal ein ganzes Wochenende ohne meine Kinder. Ich wollte abschalten, nur mich und das drumherum genießen. Und was war? in jedem Hafen reagierte ich auf Kinderstimmen. Immer, wenn irgendwo ein Kind „Mama“ rief, stand ich parat um Mama zu sein.“ Da habe ich erkannt, dass ich ein Leben, wirklich ein Leben lang Mama bin. Und heute, meine Töchter sind 40 und 36 Jahre alt, bin ich immer noch Mama und Oma. Und das mit meiner ganzen Liebe und von ganzem Herzen. Genieße die Zeit des Wachsens und Werdens. Es ist eine ganz wunderbare Zeit.
    Ach ja, Dein Shirt ist sehr schön. Ich glaube, ich werde es „nachahmen“.
    Und diesem Sinne, liebe Grüße Epilele

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    1. Vielen lieben Dank dir! Meine Mama sagt auch immer „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen“ – aber das ist ja nicht negativ, sondern bedeutet einfach, dass man aus der Rolle Mutter niemals raus kommt und immer parat steht! Deine kleine Anekdote gefällt mir sehr und ich danke dir für diesen Beitrag! Ich genieße die Zeit sehr und würde am liebsten manchmal auf Pause drücken, da alles so schnell geht und man kaum hinterher kommt sowie aus dem Staunen nicht mehr raus kommt!
      Liebe Grüße

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