Ausgang

Zeit zu zweit ist, wie ich in meinem Post Momlife festgestellt habe, mit Beginn der Elternschaft vor gut 1 1/2 Jahren zu einem seltenen und wertvollen Gut geworden. Beschränkt es sich doch oft wie selbstverständlich auf die Abende zu Hause, wenn das Kätzchen schläft. Viel zu unternehmen bleibt einem da oft nicht übrig und so leisten uns die Couch und die beiden Stubentiger regelmäßig gute Gesellschaft. Doch auch wir mussten irgendwann mal wieder raus. Raus aus dem Alltag.

17Ich bin froh, lange Zeit mit dem Experiment Babysitter – durch gute Freunde und Verwandte – gewartet zu haben. Denn als das Kätzchen noch kein Jahr alt war, konnte ich es mir nicht vorstellen, sich gezielt und bewusst voneinander zu trennen. Ich hätte kein gutes Gefühl dabei gehabt oder die Zeit in vollen Zügen genießen können. Auch wenn es uns Freunde immer wieder angeboten haben, habe ich es abgelehnt und gespürt, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt für uns und das Kätzchen war. Wir brauchten einander einfach noch sehr viel und intensiv. Wir brauchten gegenseitig die Sicherheit, dass der andere immer für einen da ist. Auch wenn es oft anstrengend war, ist es doch gut so. Und so mussten auch wir als Eltern – vor allem wohl ich – uns erst mit dem Gedanken anfreunden, auch einmal ohne das Kätzchen Zeit zu verbringen.

20Ich blicke da zurück in den Sommer 2016. Unser erster Ausgang. Ein Konzert bei den Jazzopen. Ich wollte schon so lange – seit Jahren – hin und irgendwie haben wir es zeitlich nie geschafft. Doch dieses Mal sollte es klappen und etwas Besonderes sein. So habe ich schon Anfang des Jahres die Karten besorgt und eiferte freudig auf das Ereignis hin. Doch schnell musste ich feststellen, umso näher der Tag X rückte, umso größer wurden die Sorgen und Bedenken, sowie mein Herzrasen. Noch nie hatten wir dieses Experiment gewagt und war es wirklich die richtige Entscheidung gleich einen ganzen Abend ohne das Kätzchen zu verbringen?
Die Trennung funktionierte super, denn wir verbrachten schon den halben Tag zusammen mit den Großeltern und verabschiedeten uns dann relativ unbemerkt vom Kätzchen. Diese war nämlich voll und ganz auf die Geschichten von Oma konzentriert. Für uns fühlte es sich fast schon so an, wie zwei Teenager, die sich heimlich von zu Hause davon gestohlen haben. Ein bisschen Adrenalin war auf jeden Fall mit im Spiel. Und dann fing es an: wir fachsimpelten nun gemeinsam darüber, ob das zu Bett gehen wohl klappen würde, wie die Großeltern es am Besten anstellen sollten, ob wir den Abend vorzeitig abbrechen würden müssen. Regelmäßig hektische Blicke aufs Handy waren schnell unsere Lieblingsbeschäftigung. Und die quälende Frage, ob es dem Kätzchen gut geht, dominierte unsere Gedanken. Ist das normal? Sind wir Helikopter-Eltern? Oder doch Rabeneltern?

16Wir mussten diese Gedanken abschütteln und mit den ersten Klängen des Klaviers von Jamie Cullum gelang es uns zum Glück, uns davon lösen und wir konnten die Zeit fortan sorgenfrei genießen. Denn in einem Punkt waren wir uns sicher und einig, wenn es dem Kätzchen nicht gut gehen würde, hätten wir dies schon längst erfahren und würden nicht mehr hier sitzen und der Musik im Sonnenuntergang lauschen. Und als wir schließlich am späten Abend nach Hause kamen, wurde uns bestätigt, dass das Kätzchen keine Anzeichen von Trennungsschmerz zeigte. Dass sie den Abend in vollen Zügen genossen hat, ihre Bedürfnisse äußern konnte und sich anstandslos in ihr Bettchen gelegt hat, um wie üblich mit ihrem Flocky im Arm einzuschlafen.
Und so absurd es sich auch anhören mag, war es erst einmal befremdlich für uns als Paar. Man musste den Fokus neu ausrichten. Musste nicht nach dem Kind schauen, dass im Café oder Restaurant für – positives – Aufsehen sorgt. Konnte sein Essen ausnahmsweise warm genießen und war nicht damit beschäftigt für das Wohlbefinden des Kindes zu sorgen. Man musste gezielt und bewusst aus der Rolle als Eltern heraus schlüpfen und wieder zurück zur Rolle als Paar finden. Irgendwie könnte man fast meinen, man hat vergessen wie das geht.

18So mussten also auch wir erst einmal lernen mit dieser Situation umzugehen und ich würde die wage These in den Raum stelle, dass wir Eltern uns damit tatsächlich letzten Endes schwerer taten als das Kätzchen selbst. Denn das Kätzchen fand schnell heraus, dass es ein paar Bonuspunkte mit sich brachte, wenn Mama und Papa mal nicht da waren. Vor allem mit den Großeltern hat sie regelmäßig ihre wahre Freude und umgekehrt genauso. Da gibt es dann endloses Spielen und Ausflüge, fernab jeglichen Termindrucks oder nervenden Erledigungen des Alltags. Und natürlich auch ein paar verwöhnende Ausnahmen. Denn sind wir mal ehrlich, wer erinnert sich nicht selbst gerne an die Zeit bei Oma und Opa und die damit verbundenen gewissen Extras!
Doch von Mal zu Mal lernten wir mehr mit der Situation umzugehen und konnten uns darauf einlassen, die Gedanken auch einmal abzuschalten und das Elterndaseins gezielt auszublenden.
Da wir es mittlerweile als Luxus für beide Seiten sehen, können wir es guten Gewissens zulassen und genießen, auch einmal gezielt Zeit ohne das Kätzchen zu verbringen. So, dass wir uns nun mit Beginn des neuen Jahres öfter mehr Zeit zu zweit gönnen wollen. Auch wir brauchen regelmäßig eine Verschnaufpause. Und da die Großeltern nicht gleich ums Eck wohnen, freuen auch sie sich sehr, intensiv Zeit mit dem Kätzchen verbringen zu können.  Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten! Und so erhielten wir noch bei keinem unserer Ausgänge einen Anruf der zum Abbruch unseres Ausgangs hätte führen können.

19Meinem schon vor ein paar Wochen entstandenes Longsleeve Venedig habe ich mit diesem Cardigan Porto (ebenfalls von Hummelhonig) einen perfekten Begleiter für die kühleren Tage geschenkt.
Ich habe die Ärmel nicht gesäumt, sondern den schönen Fleece von Lebenskleidung nur offenkantig abgeschnitten und die Naht des Ärmels schön versäubert.

Eure Katze

Stoff: Bio Fleece von Lebenskleidung
Schnitt: Porto von Hummelhonig

@ AfterWorkSewing, Me Made Mittwoch, Ich näh Bio, bio: stoff

9 Kommentare zu „Ausgang

  1. Zu Deinen Gedanken als „Mama“: Die Kinder entwicken sich im Laufe der Zeit ja weiter und genau so entwickelt man sich auch in der Elternrolle weiter. Es ist schön, dass Du Deine neuen Freiheiten jetzt auch genießen kannst. Mein Ältester ist gerade ausgezogen. Das ist der Lauf der Dinge…
    Zu Deinen Nähstücken: Wie immer ganz besonders schön! Viel Freude beim Tragen!
    LG von Julia

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    1. Vielen Dank dir, liebe Julia! Ja, wir genießen es und freuen uns dann aber mindestens genauso sehr, das Kätzchen wieder in die Arme schließen zu können! Ja, der Lauf der Dinge, das trifft es und oft vergeht alles doch viel zu schnell und man würde gerne die Zeit zurück drehen 😉
      Liebe Grüße

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  2. Ich habe mich gerade in Deinem Bolgpost wieder gefunden.
    Allerdings in der Rolle der Großeltern. Wir wohnen auch ein ziemlich weites Stück von unserem Enkel entfernt.
    Nächste Woche hole ich ihn für ein paar Tage wieder zu uns. Die Übergabe ist wie immer auf einer Autobahabfahrt auf halber Strecke. Wir freuen uns schon sehr. Und natürlich haben wir uns für diese Tage auch so einiges vorgenommen. Wir werden ins Planetarium gehen. Dort gibt es schon für die Jüngsten tolle Veranstaltungen. Meine Tochter genießt diese “ Auszeit“ natürlich auch immer sehr. Der Kleine ist jetzt schon vier und anfangs ging es ihr auch so wie Euch Beiden.
    Also, alles normal!
    Deine neue Jacke gefällt mir übrigens sehr. Ein toller Hingucker!
    Liebe Grüße Katrin

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    1. Liebe Katrin, vielen Dank dir! Es tut gut zu hören, dass es auch anderen so geht wie uns! Ihr freut euch sicherlich sehr, euren Enkel mal wieder für ein paar Tage ganz für euch zu haben und bei euren Plänen wird er nur schwer wieder nach Hause fahren wollen 😉
      Liebe Grüße

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  3. Hach, deine Gedanken kann ich so gut nachvollziehen! Ein Abend zu zweit und meine Tochter bei Oma und Opa lassen ist für mich in wo weiter Ferne.. ich glaube, ich bin einfach noch nicht „so weit“. Aber ich freu mich darauf, wenn ich sie mit gutem Gewissen abgeben kann und dann die freien Stunden auch genießen kann 🙂
    Deine Texte finde ich immer so toll! Und das genähte auch 🙂
    Viele Grüße
    Kathrin

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  4. Hallo Stephie, die Jacke sieht sehr gemütlich, kuschelig und warm aus! Bei euch scheint es ja auch noch ziemlich kalt zu sein, also genau das richtige für dieses Wetter!
    Ist doch super, dass eure Tochter so gut mit Oma und Opa zurecht kommt. Da könnt ihr doch den Abend richtig genießen!
    LG Amely

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